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Die architektonische Bedeutung des Gebäudes Englerallee 19

Posted By hns.admin On 19. Januar 2015 @ 15:23 In | Comments Disabled

Die Villa wurde  1923 bis 1924 vom Schöneberger Stadtbaurat  Professor Heinz Lassen für den Staatssekretär im Reichpostministerium und späteren Rundfunkkommissar  Dr. Hans Bredow erbaut.  1928 erhielt das Haus einige rückwärtige An- und Umbauten, die sich dem Stil des Hauses nahtlos einfügen. Sie stammen von Heinrich Schweitzer, der die bauliche Entwicklung Dahlems entscheidend geprägt hat.

Das Haus hat baugeschichtliche, künstlerische und wissenschaftliche Bedeutung, sowie Bedeutung für das Ortsbild Dahlems. Nachfolgend ein Auszug aus der Stellungnahme des Landeskonservators:

Geschichtliche Bedeutung:

Das Haus ist Zeugnis des für die Berliner Baugeschichte wichtigen Zeitabschnittes der Zwanziger Jahre und verkörpert die Spätphase in der baugeschichtlichen Entwicklung des Landhauses im zwanzigsten Jahrhundert.
Einerseits steht das Haus noch ganz in der auf Muthesius zurückgehenden Tradition des Landhauses der Zehner Jahre, z.B. deutet darauf der relativ hohe Aufwand mit seinen ehemaligen Hallen hin, sowie formal sein hohes überstehendes Dach und die liebevoll in die Fläche gesetzten kleinteiligen Fenster, andererseits weisen andere Elemente das Haus als ein Werk der Zwanziger Jahre aus, so die flächige Behandlung der Außenwände, die textilartige Oberfläche des Ziegelverbandes, die bewusst als Schmuckelement eingesetzte Lebendigkeit der Ziegeloberflächen und der farbliche Gegensatz der verwendeten Baustoffe, Holz und Ziegel.

Künstlerische Bedeutung:

Der Hauskörper bildet zusammen mit der vorgezogenen halb offenen Eingangshalle und der besonders kunstvoll gestalteten Einfriedung eine Gesamtanlage von hohem künstlerischen Rang, die den vergleichbaren baukünstlerischen Schöpfungen von anderen in der Öffentlichkeit bekannteren Architekten wie Muthesius oder Mendelsohn durchaus ebenbürtig ist. Durch die Anwendung des gleichen Materials und der gleichen Farbigkeit (dunkelrot bis blauvioletter Klinker, weiße Holzlatten), setzt sich der Charakter des Hauses über die vorgezogene halb offene Halle (ehemalige Pergola) bis in die Einfriedung fort und bildet mit ihr eine gelungene Einheit. Hervorzuheben ist die differenzierte Ausbildung der Einfriedung, die unmittelbar vor dem Eingangsbereich des Hauses als geschosshohe Mauer mit Pforte und Krone als Zierverband ausgebildet ist, sich im Frontbereich des Hauses in einem mannshohen Sockel mit Pfeilern und dazwischen gestellten weißen Holzspalier auflöst und schließlich in einem weißen Holzzaun mit niedrigen Klingersockeln und Pfeilern mündet.

Wissenschaftliche Bedeutung:

Das Haus Englerallee 19 ist das Werk des in der Fachöffentlichkeit bekannten Architekten Professor Heinz Lassen, der sich als Stadtbauer vom Schöneberg einen Namen gemacht hat. Lassen ist unter anderem der Architekt der bekannten Wohnanlage „Ceciliengärten“ in Schöneberg (1924-1926), die beispielgebend auf dem Gebiet des Wohnungsbaus nach der Kaiserzeit war, und der Wohnblöcke in der Eisackstraße (1924-1928) ebenfalls in Schöneberg, sowie des Schöneberger Stadtbades (1989). Professor Lassen war 1921 für 12 Jahre in sein Amt gewählt worden, 1933 schied er aus seinem Amt als Stadtbaurat aus. Das Wohnhaus Englerallee 19 ist eines der wenigen erhaltenen Einzelwohnhäuser, die dieser für die Berliner Baugeschichte wichtige Architekt geschaffen hat.
Dr. Hans Bredow war Rundfunkkommissar der Reichsrundfunkgesellschaft und maßgebende Persönlichkeit um Aufbau des Rundfunks in der Weimarer Republik. 1933 legte er aus Protest gegen die Übergriffe der an die Macht gekommenen Nationalsozialisten auf den Überparteilichen Rundfunk sein Amt nieder.

Bedeutung für das Ortsbild:

Das Haus Englerallee 19 hat im Laufe der Zeit einige Veränderungen erfahren. Während sich die Umbauten Schweitzers noch in die Gesamtanlage nahtlos einfügen, haben spätere Veränderungen beim Umbau zu einer Privatschule und einem Institut der Technischen Universität des Hauses im Inneren es bis zur Unkenntlichkeit verändert. Abgesehen von der erhalten gebliebenen Haupttreppe und der Nebentreppe, einer Wandverkleidung als Rest der großen Halle, einigen Zimmertüren sowie den Wandschrankeinbauten im Ankleidezimmer des Obergeschosses (von Schweitzer) ist die ursprüngliche Raumaufteilung und ihre Ausstattung zerstört. Das äußere Erscheinungsbild ist dagegen einschließlich der behutsam durchgeführten Umbauten von Schweitzer im Wesentlichen erhalten. Das Ortsbild Dahlems wird vor allem von seinen Landhäusern und Einzelwohnhäusern bestimmt. Das Haus Englerallee 19 gehört zu den hervorragendsten Beispielen dieser Gebäudegattung und prägt in seiner ganzen Erscheinung insbesondere durch die oben geschilderte besondere Gestaltung seiner Straßenfront das Ortsbild. Die Erhaltung des typischen Dahlemer Ortsbildes ist mit der unveränderten Erhaltung des Erscheinungsbildes des Hauses Englerallee 19 eng verknüpft.


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